Rauferei des Monats 02/2014

Es war an der Zeit. Ulli und ich haben uns mal wieder einen Kampf auf Youtube angeschaut und uns ein paar Gedanken dazu gemacht. Diesmal: L’Open De Paris 2014, Finale Männer Team -84kg: Timohty Petersen (Rot, NL) gegen Michael Tzanos (Blau, GR).

Zusammenfassung:
Blau gewinnt so deutlich weil er über den gesamten Kampf die Angriffswinkel variiert und bestimmt (und so seinen kompletten Bewegungsbereich genutzt hat), die klar bessere Distanzeinschätzung hat und ein tolles taktisches Geschick beweist.
Rot verkürzt ohne Druck aufzubauen immer wieder die Distanz. Trotzdem ist es Blau, der die Distanz über weite Teile bestimmt. Blau nutzt entweder die ihm von Rot ohne Not geschenkten taktischen Momente aus oder generiert und verwertet aus dem substanzlosen Druck von Rot eigene.
In der Defensive verlassen sich beide Kämpfer komplett auf Ausweichen und Wegducken. Keiner hat auch nur einmal versucht zu Blocken oder Abzuleiten.

Höhepunkte:
Insgesamt gibt es wenig spektakuläre Szenen in dem Kampf. Er wird im Wesentlichen durch die taktische Überlegenheit von Blau interessant.
0:30: Rot kann sich nicht aus der Angriffsdistanz lösen (hüpft zu hoch und wird genau im richtigen Moment von Blau erwischt), die Blau herstellt und kassiert prompt die kurze 1b. Die Szene ist typisch für den Kampf.
1:00: Eine Infight-Situation wird durch Blau durch einen sehr schönen Hüftwurf aufgelöst. Der abschließende Fauststoß ist leider nicht zwingend, so dass es nicht bepunktet wird. Leider ist das der einzige Infight, der von einem der Kämpfer genutzt wird.
2:35: Blau fängt an mit Rot zu spielen. Er sieht seinen Sieg nicht mehr in Gefahr.
2:50: Rot kommt zum Kopf von Blau endlich mal durch aber fordert den Punkt nicht ein. Die einzige Situation in der Rot Blau wirklich unter Druck setzt.
4:45: Wirklich sehenswerte gesprungene 11 zum Kopf.

Kampfverlauf:
1. Angriff (0:13): Von Anfang an belauern sich beide sehr schön in der Halbdistanz und suchen ein taktischen Moment indem Sie sich immer wieder Halbdistanz in eine kürzere Angriffdistanz tänzeln. Rot und Blau variieren beide auch immer wieder den Winkel zueinander und versuchen der Schlaghand zu entgehen und in den Rücken des Gegners zu kommen. Dann kann sich Rot nicht aus der Angriffsdistanz lösen (hüpft zu hoch und wird genau im richtigen Moment von Blau erwischt), die Blau herstellt und kassiert prompt die kurze 1b.
2. Angriff (0:41): Rot verändert seine Strategie. Jetzt sucht Rot direkt die Angriffsdistanz zu halten und überlässt es komplett Blau den Winkel zu variieren. Der Versuch mit einer 2a zu Punkten scheitert einer super Ausweichbewegung mit dem Kopf durch Blau. Es kommt zu einem Infight den Blau mit einem Hüftwurf auflöst.
3. Angriff (1:13): Gleiche Situation, Rot sucht die Angriffsdistanz und reagiert nicht als Blau die Distanz weiter verkürzt, der mit kurzer1b trifft aber keiner Punkte erhält.
4. Angriff (1:16): Und wieder sucht Rot die kurze Distanz und Blau bestimmt den Winkel und variiert die Distanz. Rot hat kein Mittel gegen die kurze 1a aus Rechtsauslage von Blau. Obwohl wieder unsauber gibt es diesmal einen Punkt.
5. Angriff (1:52): Und wie im ersten Angriff verkürzt Blau auf eine Angriffsdistanz. Rot reagiert nicht und Blau startet in die kurze 1a.
6. Angriff (2:30): Rot drückt weiter. Blau fängt an mit ihm zu spielen und bestimmt dabei wieder den Kampfwinkel. Zum ersten Mal kann Rot ein taktisches Moment durch seinen aufgebauten Druck nutzen, kommt zum Kopf durch (2:51) aber fordert den Punkt dafür nicht ein. Einem zweiten Angriff kann Blau am Ende wieder durch Wegducken entgehen.
7. Angriff (3:21): Rot drückt wieder und kassiert sofort wieder eine kurze 1b zum Kopf nachdem schön in die Angriffsdistanz gesteppt ist.
8. Angriff (3:32): Blau will immer mehr mit Rot spielen, Rot hält aber zumindest bei dem Doppelkick gut dagegen. Und wieder kann Blau den Treffer durch wegziehen des Kopfes entgehen. Das ganze endet wieder in einem unambitionierten Infight.
9. Angriff (4:00): Nach einem Gerangel fordert Blau eigentlich von den Richtern einen Abbruch des Angriffs. Als er das nicht bekommt will er das gleich als taktischen Moment nutzen. Rot ist aber wach und schafft es diesmal sich vor einer kurzen 1a wegzuducken. Hat er was gelernt? Und wieder endet der Angriff in einem schwachen Infight.
10. Angriff (4:29): Rot drückt wieder und Blau versucht mal mit einer 2a was anderes bekommt aber keine Punkte dafür. Blau nimmt Rot mittlerweile gar nicht mehr ernst, kämpft zeitweise komplett ohne Deckung. Rot steppt wieder ohne jeglichen Druck in die Distanz von Blau und kassiert eine wunderschöne gesprungene 11 zum Kopf (4:45).
11. Angriff (4:59): Blau startet direkt in eine tiefe 8b. Aber da Rot auch die Distanz verkürzt (womit man eigentlich rechnen konnte) passte die Distanz nicht.
12. Angriff (5:27): Zum ersten Mal weicht Rot bei Angriffen von Blau nach hinten aus.
13. Angriff (6:11): Zum Schluss gibt es noch eine kleine Caproera-Einlage.

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